Der Schwede

Eigentlich wollten wir schon lange den Kanal von Korinth durchquert haben, in der Realität sitzen wir aber in Kithnos fest. 30 Seemeilen östlich vom griechischen Festland. Der Wind setzt uns zu. Letzte Nacht blies der Meltemi mit 48 Knoten spitze, das sind fast 90km/h. Wir Ankern mit dem Heck zur Mole in Loutra. Das bietet Schutz gegen die Brandung. Kaum jedoch gegen den Wind. Dieser trifft uns leicht seitlich. Der Rumpf mit seinen 15 Meter länge und geschätzt 1 Meter Höhe bieten so 15 Quadratmeter Angriffsfläche. Bei jeder Böe kränkt das Boot stark zur Seite. Die Taue knirschen und ächzen unter der Last. Der Wind pfeift in allen möglichen Frequenzen durch das stehende Gut. Die Vibrationen des laufenden Gutes wecken mich um 03.00 Uhr auf. Ich klettere in Unterhosen aufs Deck um gleich wieder nieder zu kauern. Festhalten. Der Wind zerrt an meinem Körper. Der Anker ist auf dem Grund etwas gerutscht, meine ich. Das Boot steht quer. Mein schwedischer Nachbar von gegenüber, geschätzte 80 Jahre, ist auch (immer?) noch wach. Nach kurzer Beratung lassen wir ein Beiboot zu Wasser und bringen je eine Landleine vom Bug zur schräg gegenüber liegenden Mole aus. 30 Meter, zum Glück habe ich genug lange Leinen an Bord. Unser 2.3 PS Motor schafft kaum sich gegen den Wind durchzusetzen. Mit beiden Beibooten schaffen wir es. Helfen ist unter Seglern selbstverständlich. Wie so oft geht es nur gemeinsam, denke ich später in der Koje. Das weiss wohl auch der Schwede. Nur gut schlafen die Kids wie immer tief und fest.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0